Vegan, vintage und openminded – das ist der Berlin-Trend

Berlin ist ja bekanntlich nicht nur schwer im Trend, sondern auch Deutschlands Single-Hauptstadt. Und nebenbei auch Modemetropole.
Weil das so ist, muss ein Berliner sich ganz schön in Schale schmeißen, um bei den Damen nachhaltig Eindruck zu hinterlassen.

Die Clubs, die Parks und Straßen unserer schönen Stadt sind voll von jungen, aufstrebenden und untertauchenden Hipstern. Und irgendwie macht jeder in Mode. Die Stadt ist ein Laufsteg, auf dem man ständig Gefahr läuft. Entweder rennt man einem der unzähligen Fashionblogger direkt vor die Linse oder vor einer Tinder-Bekanntschaft davon. Es wird geposed und geposted was das Outfit hergibt. Genauso hart umkämpft wie potente Partner sind hier nur potentielle Model-Jobs.

Zum Berlin-Trend gehört, dass sich mit der Postleitzahl auch das Material der Pumphosen ändert. Doch bei einem sind sich alle einig: Bio ist besser. So wie Fashionweek und Veggieburger hier längst verschmolzen sind, ist Umweltschutz kein Kreuzberger Alleinunterfangen mehr. Wer echter Berliner sein will, setzt auf Nachhaltigkeit. Das ist kiezübergreifend so. Eben Berlin-Trend. Das machen alle.

Der Berlin-Trend ist openminded

In Berlin kann theoretisch jeder tragen, was er will. Die Stadt ist modern, liberal, openminded. Trotzdem ertrinken auch hier die kreativen Individualisten zunehmend in der angesagten Trendfarbe. Was früher jederfraus Alptraum war, auf eine Party zu kommen und das Gleiche zu tragen wie eine andere, ist heute das zufrieden stellende Indiz dafür, absolut „en vogue“ zu sein. Was auch alle machen, ist flirten. Offensiv und permanent. Gehört einfach dazu zum Berlin-Trend. Und das sieht dann ungefähr so aus:
Rolf steht auf Viola. Viola ist „all into fashion“. Deshalb lässt Rolf sich bei Multicolorshirt ein super stylisches T-Shirt drucken – um Viola zu beeindrucken. Er ist der Meinung, eine echte Fashionista wisse Qualität zu schätzen. Rolf steht mächtig unter Druck – denn jederzeit und jederorts könnte Viola jemand anderem in die gut betuchten Arme laufen. Also wird unter Hochdruck an seinem Shirt gearbeitet. Der Berlin-Trend kennt keine Atempausen.
Was Rolf nicht weiß, ist, dass Viola jeden Tag mit so viel Druck und neuen Trends umgehen muss, dass sie echt mal was Neues braucht. Irgendwas Beständiges, Traditionelles – etwas Edles.
Rolf kommt sich in seinem neuen Shirt vor wie der King of Kingsize.

Vegan und Vintage, das ist der Berlin-Trend

Und irgendwie hat er wohl recht, denn die Girls zwinkern ihm zu, fassen ihn an. Fahren mit ihren zarten Fingern über das weiche Gewebe seines T-Shirts, als sei Bio-Baumwolle das neue Gleitgel der Clubkultur. Das ist „in“. Das ist hip. Das ist Fashion. Der klassische Münchner trägt Ralph Lauren und isst Steak. Der typische Berliner huldigt dem Berlin-Trend, trägt Vintage und isst vegan. An Rolf ist das nicht vorübergegangen, weswegen er sich bei der Wahl nach der richtigen Druckerei, für „fashion made in Berlin, fairtrade und so bio und das Ganze“ entschieden hat. Wer mit dem Trend geht, kann ja quasi nichts falsch machen. Und schämen muss Rolf sich auch nicht für seine faire Wahl.
Er geht also lässig auf Viola zu, posiert, nickt, streicht beiläufig über seinen Oberkörper, um Violas Blick auf sein T-Shirt zu lenken. Er sagt nichts. Erstens ist das gerade nicht angesagt und zweitens ist es eh zu laut. Viola kommt auf ihn zu. Ihre Augen mustern jeden Zentimeter. Sie streckt die Hand aus. Legt sie auf seine Brust, lächelt. „Wow, fühlt sich toll an!“ Rolf bleibt cool. Lächelt nur kurz zurück – mustert Viola siegessicher, während er sich mit der Hand übers Kinn fährt.
Viola erhöht den Druck ihrer Handfläche, schiebt Rolf zurück. „Tschuldigung, darf ich mal durch?“ sagt sie mit einem breiten Grinsen und verschwindet in der zum Bass wackelnden Masse menschlicher Körper in Urban-Clubstyle.
Rolf braucht eine Sekunde, um den Schock zu verdauen. Dann schaut er sich um und sieht eine andere heiße Alte, die die Hüften schwingt …

Hey! Easy – gehört alles zum Berlin-Trend!

Rolf hat eben Druck. Viola steht auf sticken.

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